Kleinunternehmer-Falle

Die Umsatzgrenze der Kleinunternehmerregelung wird von 17.500€ auf 22.000€ nach § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG erhöht. Die Gefahren für den Online Handel wurden schon hinreichend von uns kommuniziert. Der neue Gesetzesentwurf birgt allerdings neue Gefahren, auf die wir in diesem Blogpost nochmals verstärkt hinweisen möchten.

Es handelt sich um die ersten Änderungen seit 20 Jahren. Durch die Erhöhung der Umsatzgrenze soll der allgemeinen Preisentwicklung entgegengewirkt werden. Noch in diesem Monat wird das Bundeskabinett über den Beschluss entscheiden. Wir sehen eine ansteigende Gefahr für Online Händler, die noch nicht aktiv auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet haben. Denn laut dem neuen Gesetzesentwurf können Unternehmen auch nachträglich in die Kleinunternehmerregelung fallen. Hier findest Du den Gesetzesentwurf

Laut dem Gesetzesentwurf soll die Regelung mit dem Tag der Veröffentlichung des Gesetztes in Kraft treten. Das bedeutet, dass bei Unternehmern, die letztes Jahr zwischen 17.501€ -22 000€ Umsätze verbucht haben und im laufenden Jahr unter 50.000€ liegen, plötzlich die Kleinunternehmerregelung greift. Wir fragen uns, ob diese Folge so beabsichtigt ist oder noch angepasst wird. Denn wenn dies der Fall sein sollte, muss schnellstmöglich gehandelt werden. Falsche Rechnungsstellung und Besteuerung sind andernfalls die logische und bittere Konsequenz.

Daher wollen wir den Gesetzesentwurf zum Anlass nehmen und nochmals auf die Nachteile der Kleinunternehmerregelung für Online Händler hinweisen. Die Erhöhung der Umsatzgrenzen lässt die Kleinunternehmerregelung noch komplizierter werden. Zunächst gehen wir im Allgemeinen auf die Kleinunternehmerregelung ein, um im Anschluss die Nachteile und Fehlerquellen speziell für Unternehmer im Online Handel zu benennen.

Nicht umsonst sprechen wir hier von der Kleinunternehmer-Falle.

Zur Erinnerung: Wie funktioniert die Kleinunternehmerregelung?

Der maßgebliche Umsatz bei der Prüfung der oben genannten Grenzen, ist die Summe aller im Kalenderjahr vereinnahmten Entgelte (tatsächlich durch Kunden gezahlt), abzüglich der Umsätze aus der Veräußerung von Wirtschaftsgütern aus dem Anlagevermögen. Der voraussichtliche Umsatz ist zu Beginn der unternehmerischen Tätigkeit zu schätzen. Bleibt diese Schätzung unter 17.500€, greift die Kleinunternehmerregelung. In Zukunft liegt die Umsatzgrenze voraussichtlich bei 22.000€.

Bei der Anwendung der Kleinunternehmerregelung darf der Unternehmer keine Umsatzsteuer auf seine Umsätze erheben. Allerdings besteht die Möglichkeit freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten.

Wird eine der Umsatzgrenzen überschritten, muss der Unternehmer automatisch Umsatzsteuer auf seine Umsätze erheben. Optiert ein Kleinunternehmer zur Umsatzsteuer, muss er dies gegenüber dem Finanzamt erklären. Seine Entscheidung bindet ihn für fünf Jahre. Rechtsgrundlage: § 19 Abs. 1 und 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG).

"Kleinunternehmerfalle

Die Kleinunternehmer-Falle für Online Händler

Gerade bei Aufnahme einer Unternehmertätigkeit scheint es schnell verlockend zu sein, dem Endkunden keine Umsatzsteuer berechnen zu müssen. Allerdings funktioniert diese einfache Rechnung nicht für Online Händler. Somit kommen wir zu den Nachteilen der Kleinunternehmerregelung.

Aufgrund des zu erwartenden Übergangs zur Regelbesteuerung sollte der anfängliche Preis-Vorteil nicht oder nicht voll an die Kunden weitergegeben werden.

  • Der anfänglich geringe Verwaltungsaufwand ist zu vernachlässigen: Spätestens im zweiten oder dritten Geschäftsjahr muss der erfolgreiche Unternehmer sich von der Kleinunternehmerregelung verabschieden. In einem schnelllebigen Business wie dem Online Handel, werden die Umsatzgrenzen von 17.500€ und ab 2020 von 22.000€ schnell erreicht.

Bis jetzt haben die Argumente für Online Händler als „Kleinunternehmer“ aber trotzdem irgendwie bestand.

Spezielle Nachteile für Online Händler

Im Folgenden fassen wir die Nachteile der Kleinunternehmerregelung speziell für Online Händler zusammen und führen mögliche Fehlerquellen auf, auf die es zu achten gilt:

Nachteile der Kleinunternehmerregelung bei Online Händlern

  • Das Reverse Charge Verfahren kann nicht angewandt werden. (13b Absatz 8 UStG)
  • Umsatzsteuervoranmeldung ist trotzdem fällig, sobald man eine USt-ID besitzt und seine Nachweispflichten bei Amazon erfüllen muss.
  • Die Vorsteuer kann bei Investitionen nicht gezogen werden
  • Einfuhrumsatzsteuer beim Einkauf der Produkte wird nicht erstattet

Amazon hat seinen Sitz in Luxemburg. Das heisst, dass jede Rechnung mit der Luxemburgischen Umsatzsteuer ausgewiesen ist, die Ihr zu bezahlen habt, sofern Ihr keine USt-ID angegeben habt. Nun könnt Ihr aber auch als Kleinunternehmer eine USt-ID beantragen und angeben. Doch auch in diesem Fall wird für Euch die Umsatzsteuer fällig. Dann gilt nämlich bei jeder Rechnung das Reverse-Charge-Verfahren und Ihr müsst die Umsatzsteuer selber an das Finanzamt abführen, könnt allerdings keine Vorsteuer ziehen.

Fehlerquellen der Kleinunternehmerregelung bei Online Händlern

Ausweis der MwSt. bei Sendungen ins Ausland

Lagert man als FBA Händler z.B. seine Waren auch in Polen und Tschechien und diese werden von dort in ein anderes Land außer Deutschland gesendet, muss die jeweilige MwSt. ausgewiesen werden. Stellt man seine Rechnungen aber automatisiert ohne Ausweis der MwSt., kommt es zu Problemen mit dem jeweiligen Finanzamt.

Den Umsatz falsch schätzen:

Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit kann man bei der Schätzung der zu erwartenden Umsätze danebenliegen. Schätzt man seine Umsätze unter 17.500€, zukünftig 22.000€, und diese werden überraschend übertroffen, ist das kein Problem, solange man dem Finanzamt nachweisen kann, dass mit den zusätzlichen Einnahmen nicht zu rechnen war.  Derjenige Unternehmer wird schlicht im nächsten Jahr umsatzsteuerpflichtig.

Wird der Umsatz aber bewusst niedrig geschätzt und es kann nicht nachgewiesen werden, dass zu Jahresbeginn nicht damit zu rechnen war, dass der Umsatz überschritten wird, wird man rückwirkend umsatzsteuerpflichtig. Die Folge: Nachzahlungen.

Hinweis auf Befreiung von Umsatzsteuer fehlt auf Rechnung

Wenn Kleinunternehmer Rechnungen ausstellen, müssen sie alle Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UStG beachten – mit einer Ausnahme: Weil Sie nach §19 UStG von der Umsatzsteuer befreit sind, können sie auch keine Umsatzsteuer ausweisen. Stattdessen sollten sie darauf hinweisen, dass sie keine Umsatzsteuer berechnen müssen.

Etwa so: „Kein Ausweis der Umsatzsteuer aufgrund der Anwendung der Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG)“

Den Wechsel zur Regelbesteuerung nicht bemerken

Vorsicht: Unternehmern wird nicht vom Finanzamt mitgeteilt, dass sie umsatzsteuerpflichtig werden. Es muss selbst darauf geachtet, ob die Kleinunternehmerregelung noch Anwendung findet.

Bemerkt der Unternehmer nicht, dass er ab sofort umsatzsteuerpflichtig ist und weist die Mehrwertsteuer auf seinen Rechnungen weiterhin nicht aus, kann es teuer werden. In diesem Fall schuldet der Unternehmer dem Finanzamt die Umsatzsteuer und muss diese auch abführen, obwohl sie auf der Rechnung nicht verlangt wurde.

Kleinunternehmerregelung für mehrere Unternehmen anwenden

Die Kleinunternehmerregelung ist an die Person gebunden und nicht an das Unternehmen. Betreibt man mehrere Unternehmen die zwar jeweils unter 17.500€/22.000€ Umsatz bleiben, müssen die Umsätze dennoch eine Umsatzsteuer ausweisen, wenn die Summe der Umsätze die 17.500€/22.000€ überschreitet

Fazit

Wie man es dreht und wendet, Ihr müsst als Online Händler eine Umsatzsteuervoranmeldung machen und auch als Kleinunternehmer die Umsatzsteuer ausweisen. Und das noch aus eigener Tasche. Aus dem einzigen Vorteil, den die Kleinunternehmerregelung bietet, wird somit obendrein noch ein zusätzlicher Nachteil. Nicht nur, dass Ihr eine Umsatzsteuervoranmeldung machen müsst, Ihr zahlt zudem noch drauf, da Ihr keine Vorsteuer ziehen könnt. Darüber hinaus bekommt Ihr die Einfuhrumsatzsteuer, die Ihr zahlt, wenn Ihr Eure Produkte einkauft, nicht wieder.

Somit ist unser gut gemeinter allgemein gültiger Rat: lasst als Online Händler die Finger von der Kleinunternehmerregelung, auch wenn die Erhöhung der Umsatzgrenze auf 22.000€ zunächst verlockend klingt.

Ihr findet einen noch ausführlicheren Blogbeitrag über die Kleinunternehmerregelung aus dem Jahr 2018.


 

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