Harter vs weicher Brexit - Folgen für den Online Handel

Über zwei Jahre ist es her, dass Großbritannien im Juni 2016 per Referendum für den Austritt aus der EU gestimmt hat. Abgesehen von unzähligen Parlamentssitzungen, die zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt haben, ist bis heute gefühlt nicht viel passiert. Betrachtet man die Tatsache, dass der Brexit in zwei Monaten am 29. März 2019 nun vollzogen werden soll, ist verständlich, dass die allgemein vorherrschende Unsicherheit langsam aber sicher einer Art Panik weicht. Nicht umsonst verlagern gestandene britische Unternehmen wie Dyson oder Jaguar Land Rover Produktion oder gar Firmensitz ins Ausland. Doch welche mögliche Folgen haben weicher bzw. harter Brexit für den Online Handel? Wir klären auf.

Der stand der Dinge im Brexit-Chaos

Das britische Unterhaus hat am gestrigen Tag, den 29. Januar 2019, einen Brexit ohne Abkommen ausgeschlossen. In Verbindung damit haben die Abgeordneten aber Nachverhandlungen mit Brüssel gefordert. Die Antwort der EU darauf kommt nicht überraschend. „Der bestehende Austrittsvertrag ist der bestmögliche Weg zu einem geordneten Brexit“, so ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk. Oder auch: Wir werden nicht nachverhandeln.

Dass Großbritannien am 29. März 2019 die EU tatsächlich durch einen harten Brexit verlassen wird, ist somit immernoch im Bereich des Möglichen. Die nahe Vergangenheit hat gezeigt, dass selbst bei solch weitreichenden Entscheidungen, Logik und rationales Denken nicht immer unbedingt die Entscheidungsfindung dominieren (man Blicke nur mal über den großen Teich Richtung USA). Fakt ist aktuell, dass Großbritannien nach dem 29. März 2019 kein Mitglied der EU mehr sein wird, unabhängig davon ob es ein Rücktrittsabkommen mit der EU gibt oder nicht. Allerdings gibt es einen Ausweg. Aktuell bleiben zwei Optionen: 

Weicher Brexit 

Der sogenannte „Plan B“ von Theresa May ist kläglich gescheitert und wurde gar als „realitätsfremd“ betitelt. Für einen akzeptablen Rückzugsplan muss Großbritannien, unter der Zustimmung der EU, nun versuchen den Artikel 50 auszudehnen. Im Grunde genommen ist das ein Synonym dafür mehr Zeit zu gewinnen, um an weiteren Optionen arbeiten zu können. Entweder gelingt es dann der britischen Regierung mit der EU ein neues Abkommen auszuhandeln, oder den Oppositionsparteien im britischen Parlament gelingt es, ein zweites Referendum zu veranstalten. Beide Optionen benötigen aber vor allem eines: Viel Zeit! Wird dem zugestimmt, kommt es zu einem verzögerten und im Umkehrschluss weichen Brexit. 

Harter Brexit

Scheitern diese Bemühungen und kommt es tatsächlich zu einem harten Brexit, ist Großbritannien nach dem 29. März 2019 nicht nur kein Mitglied der EU mehr sondern gilt mit sofortiger Wirkung als Drittland. 

Zwar ist dieses Szenario weiterhin sehr unwahrscheinlich, denn ein Großteil des Parlaments bevorzugt einen weichen Brexit mit Verbleib in der Zollunion und das Szenario des harten Brexits soll schnellstmöglich vom Tisch. Aber nochmal: So unwahrscheinlich und sinnbefreit der harte Brexit auch ist, er ist weiterhin im Bereich des Möglichen. 

Lesetipp: Verpackungsgesetz: Online Händler hinken hinterher. 

Unternehmen bereiten den Ernstfall vor

Lange Zeit haben viele Unternehmen auf eine Einigung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gehofft, die Ordnung in das Chaos bringt, das durch den Brexit ausgelöst wurde. Da die britische Regierung aber nicht liefert und der Stichtag immer näher rückt, fangen immer mehr Unternehmen an, ihre Notfallpläne abzuarbeiten. 

Viele beginnen damit, ihr Unternehmen – zumindest teilweise – auf dem Kontinent zu verteilen. Unter dem Begriff „Brexodus“ wurde so die große Flucht aus Großbritannien eingeleitet. Ein Beispiel ist Jaguar Land Rover, das die Produktion des SUV Discovery nach Osteuropa verlagert. Der Elektrokonzern Sony verlagert seinen europäischen Verwaltungssitz nach Amsterdam, eigenen Aussagen zufolge um „umständliche Zollprozeduren“ zu vermeiden und der Turbinenhersteller Rolly Royce plant nach Deutschland umzusiedeln. Selbst wenn es zu einem Deal kommt, wird man nichtsdestotrotz die Wertschöpfungsketten umbauen. 

Neues zur Umsatzsteuer 2019

Harter vs. weicher Brexit: Die Folgen für den Online Handel

Doch wie steht es um den Online Handel? Großbritannien ist einer der größten Märkte für den Online Handel überhaupt, mit einem jährlichen Umsatz von über 150 Milliarden Euro. Außerdem ist Großbritannien einer der größten Warenumschlagplätze. Wir stellen die Folgen eines harten bzw. weichen Brexits gegenüber: 

Weicher Brexit:

| Im Entwurf des Rückzugsplans gibt es eine Übergangsregelung von 21 Monaten nach Austritts Großbritanniens aus der EU. In dieser Zeit, bis zum 31. Dezember 2020, wird Großbritannien weiterhin als Mitglied der EU betrachtet.
| Wenn Großbritannien in der Zollunion bleibt oder die Verhandlungsführer eine neue Zollvereinbarung durchbringen, wird der Warenverkehr auch weiterhin ohne Zollanmeldung möglich sein.
| In dem Rückzugsplan wird festgehalten, dass die Rechte und Pflichten eines Steuerpflichtigen bei grenzüberschreitenden Transaktionen zwischen Großbritannien und der EU weiterhin durch das EU Umsatzsteuergesetz geregelt werden. Und zwar bis zu fünf Jahre nach der Übergangszeit.
| Großbritannien wird sich weder technisch noch rechtlich in der Zollunion oder im Binnenmarkt befinden, man verpflichtet sich aber dazu ein Umfeld zu schaffen, welches diese Gegebenheiten bestmöglich repliziert. 

Harter Brexit: 

| Es gibt keine Übergangszeit. Am 30. März 2019 wird Großbritannien wie jedes andere Drittland außerhalb der EU behandelt.
| Warenströme zwischen der EU und UK werden als Importe/Exporte betrachtet und nicht als Verbringungen. Dementsprechend müssen Online Händler über eine gültige EORI-Nummer verfügen, dem britischen Finanzamt eine Einfuhrerklärung vorlegen und Einfuhrumsatzsteuer entrichten.
| Das britische Finanzamt hat angekündigt, dass auf jedes Paket, das Großbritannien erreicht, Umsatzsteuer zu zahlen ist. Positiv zu vermerken ist, dass die britische Regierung bei einem harten Brexit angekündigt hat, dass sowohl EU-Importeure als auch Nicht-EU-Importeure die Umsatzsteuer bei der Umsatzsteuervoranmeldung geltend machen und zurückbekommen können.
| Für den Verkauf zwischen der EU und Großbritannien oder umgekehrt gilt kein Fernabsatz. Von britischen Unternehmen, die mit der EU handeln, sind keine monatlichen Intrastat Erklärungen erforderlich. Händler aus der EU müssen in Großbritannien keine Intrastat und ZM Meldung mehr abgeben. 

Fazit

Der harte Brexit ist und bleibt unwahrscheinlich, da er aus Sicht Großbritanniens einer Selbstverstümmelung gleicht. Mit jedem Tag der ins Land geht, wird der Aufschub des Austritts wahrscheinlicher und es scheint, dass auch nach dem 29. März 2019 zunächst alles beim Alten bleibt. Nichtsdestotrotz darf man die möglichen Folgen nicht unterschätzen und sollte auch auf einen harten Brexit vorbereitet sein. Wie gesagt, die nahe Vergangenheit hat uns gelehrt, dass nichts unmöglich zu sein scheint. 

Wir haben einen Maßnahmenplan für den Fall eines harten Brexits erarbeitet. Sprecht uns gerne an, wenn Ihr auch für den Ernstfall gewappnet sein wollt. 


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