fbpx

Gastbeitrag von Jan Kronenberger von Amalendo

Die letzten Sommertage sind kaum vergangen, da läuten am E-Commerce Horizont schon die Glocken des Weihnachtsshoppings… und von Halloween. Händler optimieren ihre Shops neu, stimmen mit ein in den Hype um die ertragreiche Verkaufszeit im Dezember.

Doch während die meisten Amazon-Händler sich nur auf die Geschenkebranche stürzen, wächst die Nische Halloween immer mehr. Ist der, zunehmend auch hierzulande gefeierte, Feiertag ein ernstzunehmendes Business und kann ein Onlineshop, in passenden Segmenten, hier relevante Umsätze generieren? Und das am Besten natürlich ohne einen SEO-Machtkampf, wie im wenig besinnlichen Shopping-Advent.

Halloween, so viel steht fest, ist im Handel angekommen. Deko-Shops, Kostümverleih – von der lokalen Nische bis zum großen Warenhaus, vom stationären – bis hin zum Online-Handel.

Halloween mehr als ein gruseliger Trend für Kids

Fakt ist: der heidnische Brauch Halloween schwappt nicht nur als Partymotto nach Deutschland. Das Fest hat sich hierzulande zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt und fährt jedes Jahr 200 Millionen Euro ein. Laut einer  VEXCASH Erhebung aus 2017 gehen hierzulande mittlerweile 3 von 4 Familien der Halloween-Tradition nach, die vor 20 Jahren noch so gut wie unbekannt war.

Ein Verkaufsschlager zum Gruselfest: Süßwaren

Während die Deutschen zwei Wochen vor Halloween pro Woche rund 140 Millionen Euro für Süßigkeiten ausgeben, steigt der Umsatz in der Halloween-Woche um 17 Prozent auf rund 164 Millionen Euro. Der Absatz von Süßigkeiten steigt in dieser Zeit von 17,6 Millionen auf rund 22,2 Millionen Kilo.

Für die Kostüm- und Verkleidungsbranche hat sich Halloween zu einem „zweiten Karneval“ entwickelt. Davon profitieren neben den Branchengrößen wie Deiters auch Onlineshops und Amazonhändler.

Aber nicht nur die Nahrungsmittel- und die Verkleidungsindustrie profitieren vom Gruselgeschäft. Auch Freizeitparks, Eventveranstalter, Bäckereien sowie die gesamte Spiel- und Schreibwarenindustrie warten mit thematisch passenden Produkten auf. Laut Statista geben Deutsche für die Kostüme ihrer Kinder rund 25 Euro aus. In den englischsprachigen Ländern kann die Verkleidung gerne auch mehr kosten.

Insbesondere in den USA wird der Gesamtumsatz für Kostüme, Grußkarten, Dekorartikel, usw. laut National Retail Federation auf rund 9 Milliarden Dollar geschätzt.

Kompetenz und Branding statt Risiko

Trotz der immensen Zahlen ist das klassische Grusel-Geschäft seit einigen Jahren leicht rückläufig. Deutsche geben weniger für Kostüme, dafür mehr für Süßigkeiten und vor allem für das Nachtleben an Halloween aus. Zudem lassen sich jährliche Trends beobachten, die für den Handel schwer abschätzbar sind.

Welche Kostüme, welche Dekotrends und welche Geschmäcker muss der Händler treffen, um von Halloween zu profitieren? Allein aus SEO Sicht ist dies eine enorme Herausforderung, die nicht einfach zu bewältigen ist.

Zudem darf eins nicht verkannt werden, trotz der wachsenden ökonomischen Bedeutung, bleibt das Halloween-Geschäft hierzulande eine Nische. In den USA liegen die Ausgaben pro Familie um 6,5 mal höher als in Deutschland. Hierzulande bleibt abzüglich der Ausgaben für Süßwaren und Impulskäufe (zumeist stationär) nur ein kleines Stück vom Handelskuchen übrig.

Dieser Kampf lohnt, von Einzelfällen abgesehen, meist nicht. Schon gar nicht sinnvoll ist es das Portfolio um Saisonartikel zu ergänzen, die nicht in den Zusammenhang des eigenen Shops passen. Hier sind nicht nur kurzweilige Trends das Risiko, sondern zugleich das Havarieren der eigenen Marke ein Grund Abstand zu nehmen. 

Halloween nur ein Händler-Horror?

Es gibt sie natürlich die Profiteure des Halloween Trends. Seien es Deko-Shops oder aber Kostümhändler. Hier zeichnet sich aber zunehmend ab, dass auf der Gewinnerseite die Brands und Amazonhändler stehen, die Halloween lediglich als weitere Option sehen die eigenen Produkte nochmal in ein neues Licht zu setzen.

Auf der Strecke bleiben die „Anpasser“, die extra für eine Woche gesonderte Farbvarianten oder gar neue Produktkategorien ergänzen. Im Gegensatz zum stationären Handel werden darauf ausgelegte Mitnahmeeffekte eben meist nicht Wirklichkeit. Es gibt also weder einen positiven Effekt via Warenkorbwert, noch in der immer wichtiger werdenden Kundenzufriedenheit.

Fazit

Halloween kann sich lohnen. Im Rahmen einer ganzheitlichen Shop-Strategie. Im Einklang mit Produktbildern und Themenwochen im Social Media Bereich ist die herbstliche Zeit eine schöne Gelegenheit neue Hashtags und Image-Kampagnen für das Branding zu kreieren. Im DIY kann es richtig ausgespielt das eigene Portfolio nochmals erklärend in den Vordergrund spielen.

Dabei gilt es aber immer den Fokus auf die eigene Produktwelt und die Gesamtstrategie der Marke zu legen. Warum in orange Kerzen investieren, wenn das Produkt am Ende unsichtbar in einem Kürbis landet? Ist es hier nicht sinnvoller an die gesamte Herbstsaison zu denken und durch bessere Bundles Kerzen im Set anzubieten? Wie bringen mir Kerzen, die ich nicht verkaufe, auch im Weihnachtsgeschäft potentielle Verkäufe?

Das übergeordnete Ziel sollte in jedem Fall (ebenso wie im Weihnachtsgeschäft) lauten, nicht jedem Trend hinterherlaufen und lieber überdenken, wie meine Handlungen in meine Jahresziele passen und wie sich die eigene Marke aufbauen/entwickeln soll.

Wer sich diese Tipps zu Herzen nimmt, bei vielen Jubel-E-Commerce Meldungen rund um Halloween-Handel (nicht vergessen Medien lieben in der Regel das Besondere; Ausnahmen eben) cool bleibt, der kann mit einer geschickten Produktoptimierung in Richtung „Gesamt-Q4“ positive Mitnahmeeffekte erzielen und das ohne viel Aufwand.


Über den Autor:
Jan Kronenberger verantwortet die Kommunikation und das Marketing bei Amalendo. Nach Stationen als Redakteur u.a. bei 1LIVE und dem Kölner-Stadt Anzeiger im Rheinland, ist er seit über 10 Jahren als PR-Berater spezialisiert auf StartUps und Digitalisierung in Berlin und Hamburg tätig.


Anmerkung: Gastartikel & Interviews werden nicht von JuMa verfasst. Wir möchten unseren Blog durch die Expertise anderer Autoren erweitern und zum Meinungsaustausch anregen, die Inhalte stellen jedoch nicht zwangsläufig unsere Meinung dar.

Social Share

Keine Kommentare

Leave a comment