chinesische Online Händler

Wenn Privatpersonen gemütlich von zu Hause oder unterwegs mit dem Smartphone Waren beim Online Marktplatz Amazon bestellen, stammt nur ein Bruchteil dieser Produkte von dem amerikanischen Versandhaus selber. Ein Großteil wird nämlich über Drittanbieter auf dem sogenannten „Amazon Marketplace” angeboten. Amazon kassiert von externen Online Händlern dafür „nur“ eine Vermittlungsgebühr. Allein 2016 kassierte Amazon so alleine knapp zwölf Milliarden Euro – in Deutschland. Tendenz rapide steigend.

Chinesische Online Händler überfluten den Markt

Dabei stammt laut Händler-Impressum jeder vierte Online Händler aus China. Egal ob Kleidung, Haushaltswaren oder Elektroartikel. Kunden merken oft gar nicht, dass die Ware aus Fernost kommt. Geschickt gewählte Firmennamen lassen auf europäische Unternehmen schließen und einen Blick ins Impressum werfen die Wenigsten.

Auf den ersten Blick spielt es für den Verbraucher keine Rolle, von wo er seine Ware erhält. Auf den zweiten Blick entsteht allerdings ein massiver Schaden für hiesige Händler und der deutsche Fiskus wird um einen hohen Millionenbetrag gebracht. Das ist Fakt. Doch wie ist das möglich?

Bislang waren Online Händler in der steuerlichen Pflicht

Der gängige Ablauf ist wie folgt. Über Amazon.de werden nun Waren chinesischer Händler gekauft. Die Waren werden in europäischen Logistikzentren verpackt und gemeinsam mit den Waren deutscher Händler versendet. Der Kunde überweist den fälligen Betrag an Amazon, Gebühren und Provision werden abgezogen und der Restbetrag auf das Händlerkonto überwiesen. Um die Abführung und Meldung der Umsatzsteuer müsste sich der chinesische Händler eigentlich selber kümmern.

Chinesische Händler bleiben bei der Umsatzsteuer unter dem Radar

Eine Analyse des letzten Jahres hat aber gezeigt, dass sich von rund 15.000 chinesischen Händlern die in Deutschland aktiv sind, nur 980 im Finanzamt Neukölln steuerlich registriert haben. Ca. 10.000 dieser Online Händler geben im Impressum eine britische Steuernummer an und 4.000 haben überhaupt keine Steuernummer angegeben.  

Der Grund dafür: In Großbritannien ist das steuerrechtliche Verfahren erheblich einfacher. Die Händler geben einfach an, ihre Waren aus Großbritannien nach Deutschland zu schicken. So wird keine deutsche Umsatzsteuer fällig. Allerdings ist dies äußerst fraglich, da rund 50% der in GB registrierten Händler per Overnight Express nach Deutschland liefern können. Das ist schlichtweg nicht möglich. Sprich diese Händler nutzen Fulfillment by Amazon, um ihre Produkte in mehreren Amazon Logistikzentren vorrätig zu haben. Dadurch müssten sich die Händler auch in den jeweiligen Ländern steuerlich registrieren – also auch in Deutschland. Das tun sie aber nicht. Nochmal: wie ist das möglich?

Umsatzsteuerbetrug durch chinesische Händler
Zwischen Deutschland und China gibt es ein Abkommen, das keinen Informationsaustausch bzgl. Steuerbetrügern zulässt. Chinesische Händler müssen also keine Strafverfolgung fürchten. Bislang sind deutsche Behörden schlichtweg machtlos. Dem möchte man mit dem neuen Gesetzesentwurf zur Haftung der Online Marktplätze nun entgegenwirken. Denn aktuell können chinesische Online Händler Ihre Waren 19% günstiger anbieten als hiesige Händler, was ihnen einen enormen Wettbewerbsvorteil verschafft. 

Härteres Vorgehen gegen chinesische Steuerbetrüger

Nun haben die Finanzbehörden mit staatlicher Unterstützung diesem systematischen Steuerbetrug den Kampf angesagt. Auf Anklage seitens der Berliner Steuerfahndung, dass tausende chinesische Händler in Deutschland die Umsatzsteuer nicht korrekt abführen, hat der Weltkonzern Amazon reagiert und bereits über 500 Händler gesperrt.

Durch diesen Tatbestand scheinen bei chinesischen Händlern die Alarmglocken zu läuten. Das Finanzamt in Berlin meldet, dass sich aktuell wöchentlich 150 chinesische Online Händler in Deutschland steuerlich registrieren. Die Zahl der in Deutschland registrierten chinesischen Händler ist von 430 im letzten, auf 1950 in diesem Jahr gestiegen.   

Lesetipp: Haftung der Online Marktplätze – neuer Gesetzesentwurf

Die deutsche Steuerfahndung behilft sich dabei mit einem Trick, um die chinesischen Händler doch noch belangen zu können. Ermittler werten systematisch Händlerseiten aus und recherchieren Informationen zu auffälligen Unternehmen. Über ein sogenanntes Auskunftsersuchen fordern sie dann Amazon dazu auf, Informationen zu den verdächtigen Händlern rauszurücken.

„Amazon kann sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung strafbar machen“

In ihren Anfragen weist die Steuerfahndung darauf hin, dass Amazon zu einer solchen Auskunft verpflichtet sei, und warnt vor Bußgeldern nach §130 des Ordnungswiedrigkeitsgesetzes. Hier sind Bußgelder in einer Höhe von bis zu einer Million Euro möglich. Dadurch wird Amazon zum Handeln gezwungen, andernfalls könnte der Konzern der Beihilfe zur Steuerhinterziehung belangt werden.

Chinesische Marktplätze bereiten deutschen Zollbehörden Probleme

Deutsche Zollbehörden stehen vor unlösbaren Aufgaben

Doch der Online Marktplatz Amazon ist bei weitem nicht der einzige Weg, auf dem chinesische Händler den deutschen Fiskus um hohe Einnahmen prellt. Mit der oben angedeuteten Gesetzesinitiative hinkt Deutschland einem wachsenden Trend hinterher: den chinesischen Direktanbietern.

Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC können deutsche Kunden bereits bei 71 chinesischen Onlineshops wie Alibaba oder Gearbest direkt einkaufen, ohne den Umweg über Amazon zu gehen. Über 60 Millionen Sendungen kamen allein 2017 aus China nach Deutschland. Dieser Tatbestand stellt den deutschen Zoll vor eine schier unlösbare Aufgabe.

Hemmungen gegenüber dem East Commerce sinken

Lange Zeit waren deutsche Online-Shopper noch eher skeptisch gegenüber Waren aus China. Die Angst vor langen Lieferzeiten (teilweise über 30 Tage), unsicherem und teils unmöglichem Warenumtausch und möglichen Zusatzkosten werden längst von den günstigen und unschlagbaren Preisen übertrumpft.  Nach eigenen Angaben verschickt allein der Marktführer Alibaba 50.000 Pakete nach Deutschland – am Tag.

Der deutsche Zoll wird „geprellt“

Bei der Bearbeitung der Menge dieser Sendungen kommt der deutsche Zoll nicht nur nicht hinterher, er wird darüber hinaus auch noch geschickt umgangen. Zum einen greifen chinesische Plattform zu einem Trick. Sie bestimmen in ihren AGBs, dass der Warenempfänger für die Zollanmeldung und die zu erwartenden Einfuhrabgaben verantwortlich ist. Ganz rechtens ist das nicht, doch „wo kein Kläger, da kein Richter“.

Es gibt aber auch chinesische Online Marktplätze, die noch einen Schritt weitergehen. Diese senden Ihre Waren aus China an ein Unternehmen, das scheinbar nicht mit dem eigenen Unternehmen verbunden ist. Nicht verbundene Vertragspartner können bei einem solchen B2B-Geschäft den Preis frei wählen. Dieser Preis, unabhängig von dem eigentlichen Warenwert, wird dann einfach unter 22€ gesetzt. Diese Grenze entspricht dem Freibetrag, unter dem der Zoll keine Prüfungspflicht besitzt. Die Folge: Das Paket kann zollfrei nach Deutschland verschickt werden. Den Freibetrag für Sendungen unter einem Warenwert will Brüssel allerdings streichen! Voraussichtlich aber nicht vor 2021.

Spannend dabei ist: Der Importboom der chinesischen Online Marktplätze wird sogar noch von deutschen Kassen subventioniert. Ein Abkommen des Weltpostvereins, in dem alle nationalen Universalhersteller verbunden sind, besagt nämlich, dass man sich auf gegenseitige Entgelte bei grenzüberschreitenden Sendungen verständigt. Dabei gilt: Entwicklungs- und Schwellenländer kommen günstig weg. Da China als Schwellenland gilt, zahlen die Händler für Sendungen bis 5kg zwischen 0,97€ und 1,09€. Zu diesem Preis, können sie also Waren wie Handys u.ä. um die halbe Welt schicken.

Die Marktmacht der Chinesen

Chinesen besitzen immer größer werdende Marktmacht

Durch die systematische Steuerhinterziehung und die geschickte Umgehung des Zolls, können chinesische Händler und Online Marktplätze Preise anbieten die von hiesigen Händlern oder alteingesessenen Familienunternehmen nicht annähernd erreicht werden können. Und der deutsche Konsument unterstützt diesen Trend.

Dadurch schaden wir nicht nur etablierten deutschen Marken, sondern bringen den deutschen Fiskus um einen dreistelligen Millionen Betrag. Und das jährlich. Die Chinesischen Händler schweigen, schließlich geht es um Steuerhinterziehung. Der Druck, der durch den neuen Gesetzesentwurf auf Amazon ausgeübt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung und zeigt bei chinesischen Online Händlern bereits Wirkung.

Damit es aber kein Tropfen auf dem heißen Stein bleibt, sind auch die deutschen Verbraucher gefragt, die diese Art von Warenhandel mit ihrem Konsumverhalten unterstützen und fördern. Wenn Ihr also schon nicht im ortsansässigen, familienbetriebenen Elektronikgeschäft drei Straßen weiter einkaufen wollt, dann wenigstens bei deutschen Online Händlern.


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