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Der Brexit und der Online Handel – ein Blick in die Glaskugel

Der Brexit – oder anders: a never ending story. Fast drei Jahre ist es nun her, dass das Vereinigte Königreich sich kollektiv für den Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen hat. Passiert ist seitdem irgendwie nicht viel und Online Händler, die sich in dem pan europäischen Programm von Amazon befinden, blieben bzgl. der Konsequenzen auf ihr Geschäft weitestgehend im Dunkeln. Nun ist seit Freitag dem 24.1.2020 der Austritt der Briten aus der EU offiziell und am 31.01.2020 wird das Vereinigte Königreich die EU verlassen, oder?

Schon, allerdings wird es eine Übergangsphase bis Ende 2020 geben. Boris Johnson will bis dahin aber ein Abkommen erreichen, um so eine Verlängerung der Übergangsphase auszuschließen. Was aber, wenn bis Ende 2020 keine Vereinbarung vorliegt? Abermals droht der Absturz in die No-Deal-Katastrophe. In diesem Fall würde das Vereinigte Königreich die EU ohne eine vertragliche Regelung verlassen, für uns natürlich immer am wichtigsten: Auch in Bezug auf die Umsatzsteuer.

Wir wagen einen Blick in die Glaskugel und klären in Bezug auf die verschiedenen Szenarien auf.

Auswirkungen ab Februar 2020

Was ändert sich für den Online Handel ab Februar 2020: Erstmal Nichts.

Die so genannte Übergangsphase dauert bis Ende 2020 an, so lange bleibt GB im Binnenmarkt. In diesem Zeitraum ändert sich für den Online Handel zunächst einmal nichts.

Wir wollen in diesem Blog aber auf die noch immer nicht auszuschließenden Eventualitäten eingehen.

Brexit und der Binnenmarkt

Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits

Wer davon ausgeht, dass der Brexit mit dem 31. Januar 2020 abgehakt werden kann, ist weit gefehlt. Im Prinzip markiert dieser Tag erst das Ende der ersten Phase. Bis auf die Tatsache, dass Artikel 50 nicht mehr zurückgezogen und damit der Brexit nicht mehr abgewandt werden kann, wird sich zunächst erstmal nichts ändern. Wenn die Übergangsperiode am 1.Februar beginnt, dann gelten auf der Insel dieselben Standards und Regelungen wie bisher. Allerdings ist die nächste Verhandlungsrunde eröffnet. Diese Gespräche über das künftige Verhältnis zwischen der EU und dem Königreich gestalten sich allerdings weitaus komplizierter und schwieriger als jene über den Austritt – und die Zeit drängt deutlich mehr als in Phase eins.

Boris Johnson will bis Ende 2020 aber ein Abkommen erreichen, um so eine Verlängerung der Übergangsphase auszuschließen. Was aber, wenn bis dahin keine Vereinbarung vorliegt? Abermals droht der Absturz in die No-Deal-Katastrophe. In diesem Fall würde das Vereinigte Königreich die EU ohne eine vertragliche Regelung verlassen.

Das genannte Austrittsabkommen sieht allerdings vor, dass sich die Wirkungen des EU-Binnemarktes sowie der EU-Zollunion noch bis zum Ablauf einer Übergangsfrist (31. Dezember 2020) weiterhin auf das Vereinigte Königreich erstrecken. Ziel ist es, die negativen Auswirkungen eines ungeregelten Brexits auf Unternehmen, EU-Bürger und somit auch Online Händler zu vermeiden.

Harter Brexit, der Online Handel und Konsequenzen für die Umsatzsteuer

Was sind nun die Konsequenzen für Dich als Online Händler, wenn doch die No-Deal-Katastrophe eintritt?
Wir wollen Dir möglichst kurz und verständlich erklären, was sich ändern würde. Natürlich könnte man mit der Erklärung ganze Bücher füllen, wir versuchen es aber kurz zu halten.

Bei einem harten Brexit würde Großbritannien umsatzsteuerrechtlich, ähnlich wie die Schweiz, als Drittland behandelt werden. Mit der Ausnahme, dass es in England auch die Möglichkeit der Lagerung gibt und Du als Amazon Händler dort schon einer Umsatzsteuerpflicht unterliegst. In der Schweiz ist das nicht der Fall, doch beide Länder würden von der EU als Drittland behandelt werden. Was bedeutet das nun für die umsatzsteuerrechtliche Thematik?

Lieferungen aus Deutschland ins Vereinigte Königreich

Lieferungen, die Du aus Deutschland nach GB schickst, werden bei einem harten Brexit ohne Umsatzsteuer auf der Rechnung aufgeführt. Du musst weiterhin Deine deutsche Umsatzsteuer Identifikationsnummer auf der Rechnung aufführen, musst allerdings keine Umsatzsteuer ausweisen.

Der Leistungsort in Bezug auf die Umsatzsteuer verschiebt sich beim Versenden in das jeweilige Drittland. Möglicherweise müssen Deine Waren im Drittland, sprich im Vereinigten Königreich, versteuert werden. Das ist momentan noch nicht zu 100% absehbar.
Mit der Schweiz wurde beispielsweise ein Abkommen getroffen, ähnlich dem Reverse Charge Verfahren.

Exkurs – Reverse Charge Verfahren:

Das Reverse-Charge-Verfahren definiert eine umsatzsteuerliche Handhabung, bei der der Leistungsempfänger (und nicht der Leistungsersteller!) für das Abführen der Umsatzsteuer zuständig ist. Normalerweise besagt das Umsatzsteuerrecht, dass der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer vom Kunden einholen und an das Finanzamt entrichten muss. Das Reverse-Charge-Verfahren gilt für grenzüberschreitende Lieferungen und dreht die Umsatzsteuerschuldnerschaft nun um.

Beim Reverse-Charge-Verfahren darf der Leistungsersteller auf seiner Rechnung die Umsatzsteuer nicht ausweisen und ist außerdem dazu verpflichtet, seinen Kunden (den Leistungsempfänger) mit der Angabe „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ über eine Steuerschuldnerschaft zu informieren.

Lieferung aus dem vereinigten Königreich in ein Drittland z.B. Deutschland

Hier sieht es ähnlich aus wie im umgekehrten Fall, wenn etwas aus dem britischen Lager in ein Drittland versendet wird. Auch hier wird die Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt. Es muss aber zwingend die britische USt ID mit auf die Rechnung. 

Lieferungen innerhalb des Vereinigten Königreichs

Wenn eine Bestellung aus dem britischen Lager innerhalb GB sein Zielort erreicht, zieht ganz normal das englische Umsatzsteuerrecht und es müssen Umsatzsteuervornanmeldungen an das britische Finanzamt geleistet werden. Die „Value added tax“, kurz VAT genannt, beträgt in England meistens 20 %, so wie in Deutschland gibt es auch dort unterschiedliche Steuersätze.

Warenlieferungen ehemals innergemeinschaftliche Verbringungen

Mit dem Austritt aus der EU ändert sich auch der Vorgang der Warenlieferungen zwischen zwei Lägern, besser bekannt als innergemeinschaftlichen Verbringungen. Der Begriff der innergemeinschaftlichen Verbringung ist extra für Warenlieferungen im EU Gebiet gewählt worden, so dass nach dem Brexit eine neue Formulierung erforderlich sein wird. In Zukunft sind Warenbewegungen zwischen einem europäischen Lager und dem britischen Lager Ausfuhrlieferungen, welche mit einer EORI Nummer ausgezeichnet werden müssen. Weiterhin fällt ggf. Einfuhr-Umsatzsteuer im Empfängerland an.

EORI steht für „Economic Operators Registration and Identification number“. Übersetzt: „Nummer zur Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten“. Die EORI Nummern wurden bereits vom englischen Finanzamt vorsorglich verteilt, um für den bevorstehenden Brexit vorbereitet zu sein. 

Fazit

Es bleibt spannend und das, obwohl der Brexit nun quasi besiegelt ist. Uns ist bewusst, dass dieser Blog noch keine genaue Fahrtrichtung vorgibt, wie auch, wenn die Beteiligten es aktuell selbst noch nicht tun können. Was wir aber versichern können ist, dass wir mit Hilfe unseres Partnernetzwerkes auf jede Eventualität vorbereitet sind und unsere Mandanten in jedem Fall entsprechend vertreten können. Bis Ende 2020 wird sich vorerst in jeden Fall nichts ändern.

Umsatzsteuerlich wissen wir also, wie Du und wir gemeinsam bei einem harten Brexit vorgehen müssen und wie es in jeweils anderen Fällen aussehen wird, werden wir Dir so schnell es geht hier mitteilen.

Du hast Fragen zu dem Vorgang oder bist Dir unsicher. Ruf gerne durch und lass Dich kostenlos und unverbindlich beraten. 


Die JuMa GmBH hilf Dir gerne auch in Zukunft mit Deinen umsatzsteuerlichen Themen in Bezug auf das Vereinigte Königreich.
Wenn Du Fragen zu England und dem Brexit hast oder einem anderen PAN-EU Land, melde Dich gerne bei uns.
Du kannst ein kostenloses und unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren oder rufe uns doch einfach direkt an: 0234 / 52 00 26 0.

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