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Änderungen Umsatzsteuer nach Brexit

In der Nacht vom 29. März 2019 ist es soweit: Großbritannien vollzieht den Austritt aus der EU. Eine Übergangsphase zwischen dem 29. März 2019 und dem 31. Dezember 2020 gibt Unternehmen Zeit sich auf die Umstände nach dem Brexit einzustellen und vorzubereiten. Währungsschwankungen, Änderungen in der Gesetzgebung, Zollbestimmungen sowie steuerrechtliche Unsicherheiten stellen auch hiesige Online Händler vor eine große Herausforderung.

Ist die Panik vor dem Brexit begründet? 

Mit über 60 Mio Einwohnern, einem hohen Bruttoinlandsprodukt und 16% Marktanteil bei Amazon ist Großbritannien einer der wichtigsten Märkte im Online Handel überhaupt. Daher war auch bei Online Händlern, der Aufschrei groß, als im Juni 2016 der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union verkündet wurde. 

Sowohl bei den Briten selbst, als auch bei Online Händlern für die Großbritannien einen wichtigen Absatzmarkt und Handelspartner darstellt, löste die Nachricht über den Brexit zunächst Panik aus. Grund dafür war vor allem die allgemein herrschende Ungewissheit bzgl. der Folgen des Brexits. 

Der Brexit ist aktuell einer der größten Ursachen für einen instabilen Finanzmarkt. Es herrscht Unklarheit bzgl. der Währung, des Binnenmarkts, des freien Warenverkehrs und bzgl. Zollvereinbarungen. Doch gerade weil Großbritannien ein so großer Markt ist, ist es umso wichtiger hier frühzeitig eine sichere Rechtslage zu schaffen, um früh genug au mögliche Änderungen reagieren zu können. Doch ist die Panik nun wirklich begründet? 

„Die Panik ist unbegründet. Das Problem ist die vorherrschende Unsicherheit“

Glaubt man den Experten, lautet die Antwort klar und deutlich: Nein! Die größte Herausforderung beim Brexit scheint nicht der Brexit selbst zu sein, sondern die Unsicherheit, die er ausgelöst hat. Wie so oft kursieren jetzt schon Horrorszenarien über den Einbruch der gesamten Wirtschaft, ohne dass auch nur ein einziger Entschluss über neue Regelungen nach dem Brexit beschlossen wurde. Manche Experten gehen sogar so weit zu sagen, dass der Brexit nie wirklich über die Bühne gehen wird und selbst wenn wird sich der Prozess auf einigen Ebenen über viele Jahre ziehen. Wir haben für Euch zusammengefasst, welche Folgen der Brexit für Online Händler haben kann. 

Ist die Panik nach dem Brexit begründet?

Änderungen im Steuerrecht 

Das Umsatzsteuerrecht, welches EU weit seine Geltung findet,  wurde durch zahlreiche Initiativen immer weiter vereinheitlicht, um einen Waren- und Dienstleistungsaustausch innerhalb der EU so einfach wie möglich zu gestalten. Durch den Ausschluss aus der EU wird Großbritannien allerdings den Status eines innereuropäischen Mitgliedstaats verlieren und faktisch zu einem Drittland mutieren.

Großbritannien ist dann nicht mehr an die steuerlichen Richtlinien gebunden und kann das System zur Anwendung der Umsatzsteuer selbst konzipieren. Wenn Großbritannien nicht mehr Teil des Binnenmarktes ist, werden sich Fernabsatzregelungen wie Zölle und Steuern also verändern?

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Einfuhrzölle 

Als Mitglied der Europäischen Union gibt es keine Zölle auf Ein- oder Ausfuhren zwischen den Mitgliedsstaaten der EU. Außerdem verhandelt die EU aktiv im Auftrag seiner 28 Mitgliedstaaten die Zollabgaben für Waren aus Nicht-EU-Ländern. Das ist ein wesentlicher Punkt für freien Warenverkehr und hat größte Relevanz für jeden Online Händler. 

„Großbritannien bleibt vorübergehend in der Zollunion“

Wie die Sunday Times kürzlich aber berichtet hat, habe Brüssel eingewilligt ganz Großbritannien vorübergehend in der Zollunion zu belassen. Als Zugeständnis an die Brexit-Hardliner wird es allerdings eine „Austrittsklausel“ geben. Diese fürchten, dass Großbritannien in eine endlose Zollunion mit der EU gezwungen werden könnte und so nie eine eigene Handelspolitik verfolgen würde, wie man es sich ursprünglich vom Brexit erhofft hatte. Aktuell ändert sich aber gar nichts. 

Umsatzsteuer

Wie schon erwähnt ist auch das Umsatzsteuergesetz eine EU-Kompetenz. Das hat sich als äußerst produktiv erwiesen, um den grenzüberschreitenden Verkauf von Waren und Dienstleistungen innerhalb der EU zu fördern und zu vereinfachen. Die grundlegende Veränderung nach dem Brexit, die im Gesetzentwurf zum Ausdruck kommt, ist die Abschaffung der Nullbesteuerung der EU-Mehrwertsteuer auf Einfuhren (Imports) und Ausfuhren (Exports). Das bedeutet, dass Importeure zum Zeitpunkt der Verrechnung der Waren aus anderen EU-Staaten nach Großbritannien Einfuhrumsatzsteuer zahlen müssen —  wie bei einem Import aus einem Drittland nach Deutschland. 

Die Mehrwertsteuer in Höhe von 20% wird dann in der nächsten Umsatzsteuererklärung des Unternehmens zurückerstattet. Das führt theoretisch zu keinem Nachteil, bedeutet aber, dass Händler, die Waren innerhalb der EU produzieren, dies in ihrem Cash-Flow berücksichtigen müssen. 

Die Folgen des Brexits für Online Händler – Fazit

Wie oben bereits erwähnt ist das größte Problem die allgemeine Unsicherheit bzgl. der Folgen. Aktuell basieren alle Annahmen auf ersten Gesprächen und sind reine Spekulation. Es spricht allerdings vieles dafür, dass die Folgen des Brexits sich in Grenzen halten werden. 

  • Großbritannien ist das Tor zu Europa mit starken internationalen Verbindungen in gegenseitiger Abhängigkeit 
  • Großbritannien ist der größte E-Commerce-Markt in Europa 
  • Der Amazon Marktanteil von Großbritannien liegt bei 16%
  • Die Briten geben sehr viel Geld im Online Shopping aus 

Großbritannien ist nicht nur der größte, sondern auch der am weitesten entwickelte E-Commerce Markt in Europa und Vorreiter der digitalen Wirtschaft. Der größte Handelspartner ist die Europäische Union. Viele britische Unternehmen sind stark mit der EU verbunden und unterliegen ihrer Gesetzgebung. Dazu kommt die große Rolle, die Großbritannien für Amazon spielt, sowie viele wichtige Handelsbeziehungen innerhalb der EU. 

Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass Großbritannien nach dem Brexit die Umsatzsteuerregelungen, sowie Einfuhrzölle und weitere relevante Regelungen für den Online Markt großartig verändern werden. Alles andere würde nur zur Abnabelung vieler Händler führen und die britische Wirtschaft schwächen. Das größte Problem ist aktuell wie gesagt die Unsicherheit, die allgemein vorherrscht. Unser Rat: ruhig bleiben. Es wird nichts so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Wir halten Euch auf dem Laufenden. 

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